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Die Polyvagal-Theorie – Schlüssel zu unserem Verhalten

Das menschliche Verhalten scheint manchmal etwas rätselhaft: Eben sitzt man noch einträchtig und friedlich nebeneinander. Dann kommt ein unbeholfener Kommentar zu einem empfindsamen persönlichen Thema und ein zwischenmenschliches Gewitter geht los. Was steckt dahinter, dass wir uns sogar mit den wichtigsten Menschen in unserem Leben in die Haare bekommen und manchmal am liebsten fluchtartig den Raum verlassen möchten? Die Polyvagaltheorie bringt Licht ins Dunkel.

 

Unser Körper bestimmt den Großteil unserer Wahrnehmung

Was viele nicht wissen ist, dass unser Körper einen Großteil unserer Wahrnehmung und Bewusstheit beeinflusst. In der Evolutionsgeschichte hat sich bewährt, dass sich unser Körper  reflexartig vor Gefahren schützt. Für unser Überleben war es essentiell, bedrohliche Situationen zu erkennen. Auch, wenn wir im Alltag keine natürlichen Fressfeinde mehr haben, ist unser Organismus bis heute darauf gepolt, Situationen blitzschnell einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Ob wir eine Situation als sicher oder gefährlich einschätzen, bestimmt unser autonomes Nervensystem mittels der sogenannten Neurozeption. Abhängig von der Einschätzung der Neurozeption werden entsprechende Hirnareale angesprochen. Bei Gefahr wird beispielsweise der Hirnstamm, unser ältester Hirnbereich, aktiv. Erst im Laufe der Evolution hat sich die Hirnschicht des präfrontalen Kortex´ entwickelt, mit dem wir abstrakt denken und bewusste Entscheidungen treffen können.

Dr. Stephen Porges erkannte mit seiner Polyvagaltheorie, dass sich unser Körper in jedem Augenblick entweder in einem Schutz-Zustand oder sozialen Zustand befindet. Ausgehend von dieser Beobachtung hat Porges drei mögliche Körperzustände identifiziert, die auch unsere Wahrnehmung einfärben.

 

Drei mögliche Körperzustände

Polyvagaltheorie Porges

Unser Wohlfühlmodus ist der sogenannte „Modus sozialer Interaktion“. Wenn unser Organismus, genauer gesagt unser autonomes Nervensystem, unsere Umgebung als sicher einschätzt, sind wir entspannt, gut gelaunt und haben Lust, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Unser Verstand ist scharf und wir können über kreative oder abstrakte Sachverhalte nachdenken. Unsere jüngstes Hirnareal, der präfontale Kortex, ist „online“.

Kommt unser Organismus jedoch zu dem Schluss, dass unsere Umgebung oder die Situation gefährlich sein könnten, werden unsere kognitiven Prozesse und sozialen Bedürfnisse heruntergefahren. Dann geht unser Körper in den „Kampf-Flucht-Modus“. Wenn wir uns bsp. vor einem plötzlichen starken Unwetter in Sicherheit bringen und zu einem Unterschlupf rennen, haben wir keinen Impuls über Persönlichkeitsentwicklung nachzudenken. Wir haben in diesem Moment auch kein Bedürfnis, uns angeregt mit jmd zu unterhalten. Unser Körper lenkt seine Energie pragmatisch in unsere Muskelkraft, sodass die Hirnareale, die für abstraktes Denken und Interaktion zuständig sind, weitestgehend heruntergefahren werden.

Als 3. Möglichkeit gibt es im äußersten Notfall den „Erstarrungs-Modus“. Wenn Kampf oder Flucht aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sind, fällt der Körper in eine Starre. Der Organismus stellt sich sozusagen tot und verkapselt die bereitgestellte Kampf-Flucht-Energie in den Muskeln. Emotional können Ohnmachtsgefühle oder depressive Zustände auftreten. Auch dieser Modus hat sich evolutionär bewährt. Einige Tiere wie das Opossum wenden diese Strategie sogar gezielt an, um für potentielle Feinde unattraktiv zu werden.

 

Unsere Wahrnehmung ist wie eine dimmbare Glühbirne

Diese drei Körperzustände sind vergleichbar mit einer Glühbirne, die drei dimmbare Lichtstufen hat. Im Modus sozialer Interaktion haben wir die größte Bewusstheit. Dann können wir unsere Handlungsmöglichkeiten flexibel ausschöpfen. Im Kampf- Flucht-Modus werden unsere ältesten Hirnschichten aktiviert und jünger entwickelte Hirnareale gehen weitestgehend offline. Unser Bewusstsein wird also etwas heruntergedimmt, was sich zum Beispiel in unsachlichen Streitgesprächen äußert. Wenn der Kampf-Flucht-Modus die Situation nicht entschärfen kann, geht der Körper in den Erstarrungs-Modus. Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist dann auf ein Minimum reduziert. Evolutionär hat sich bewährt, dass ältere Hirnschichten bei Bedarf die jüngeren Areale überschreiben können: Das Überleben des Organismus hat oberste Priorität.

 

Weshalb ist die Polyvagaltheorie wertvoll für dich?

Polyvagaltheorie Übungen

Die Polyvagaltheorie ist eine Landkarte, die uns hilft, uns selbst und andere besser zu verstehen: Wut, Angst, Ohnmachtsgefühle oder Depression sind keine mysteriösen Phänomene. Dabei handelt es sich um Notprogramme des Körpers, die verändert und wieder in den Modus sozialer Interaktion gebracht werden können. Mit dem Wissen über die Polyvagaltheorie können wir beispielsweise unnötige Konfrontationen, Stress und Streits vermeiden: Mit etwas Bewusstheit können wir erkennen, in welchem Modus wir uns befinden. Denn oftmals springt unser autonomes Schutzsystem an, wenn real gar keine Gefahr besteht. Das liegt daran, dass unser autonomes Nervensystem Abbild unserer jeweiligen frühen Bindungserfahrungen ist. Diese Bindungserfahrung bildet das (Körper)Gefühl darüber, wie die Welt scheinbar überwiegend ist, bsp. gut, gefährlich, beängstigend, sicher etc..

Unser Schutzsystem in Form vom Kampf-Flucht-, oder Erstarrungs-Modus wird konkret aktiv, wenn wir uns an eine unangenehme Situation erinnert fühlen. Es kann auch gut sein, dass immer wieder unbewusste Trigger aus unserer Kindheit anspringen. In solchen Fällen können wir uns mit etwas Übung fragen, ob diese bestimmte Situation tatsächlich gefährlich ist, und dadurch unseren Körper vom Gegenteil überzeugen. Zusätzlich hilft, den Körper zu bewegen und uns in Konfliktsituationen über die tatsächlichen Absichten unserer Mitmenschen rückzuversichern. Vielleicht ist auch das ehrliche Mitteilen für dich interessant.

Solange das Wissen über die verschiedenen Körperzustände und die dahinterliegenden Bindungserfahrungen nicht bekannt ist, entstehen leicht Missverständnissse: Viele Menschen projizieren ihre ungelösten frühen Erfahrungen aus dem Bindungskontext auf äußere Szenarien und/oder andere Menschen. Da dies unterbewusst erfolgt, kann dies von Massenmedien und Werbung auch zur gezielten Beeinflussung verwendet werden. Das Wissen über diese körperpsychologische Zusammenhänge ist daher essentiell, um Situationen besser einschätzen zu können.

 

Eine Technologie für ganzheitliches Wohlbefinden

Der Großteil unserer Körperzustände und der damit einhergehenden Wahrnehmung wird von alten unbewussten Glaubenssätzen geprägt. Diese lagern sich über die Wirklichkeit. Wir können jedoch gute Bedingungen schaffen, um ungünstige Relikte der Vergangenheit endlich hinter uns zu lassen: Neue konstruktive Sichtweisen auf uns selbst und unsere Mitmenschen können wir am besten verinnerlichen, wenn wir uns wohl- und energiegeladen fühlen. Insbesondere mit einer hochwertigen Atmung können wir gleichzeitig Energie gewinnen und uns entspannen. Dann können wir gezielt neue Impulse setzen, die unser Leben bereichern. Dafür wurde brain+ entwickelt.

 

Das Mentaltraining der Zukunft ist da

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Alles Gute,

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Bine

    Danke Marvin, bin gespannt und freue mich über neue Impulse.
    Liebe Grüße aus der Nachbarschaft
    Bine

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